Dostojewskij – Die Dämonen (3. Fremde Sünden, VIII)

»Ich liebe Tee,« sagte Kirilloff, »besonders in der Nacht. Ich gehe auf und ab und trinke, bis zum Morgen. Im Auslande ist Teetrinken nachts unbequem.«

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Böll – Und sagte kein einziges Wort (11)

»[…]Aber erzähle mir erst noch etwas. Vielleicht erklärst du mir, warum du mich geheiratet hast.«

»Wegen des Frühstücks«, sagte ich, »ich war auf der Suche nach jemand, mit dem ich mein Leben lang frühstücken konnte, da fiel meine Wahl – so nennt man es doch – auf dich. Du bist eine großartige Frühstückspartnerin gewesen. Und ich habe mich nie mit dir gelangweilt. Du hoffentlich auch nicht mit mir.«

»Nein«, sagte sie, »gelangweilt habe ich mich nie mit dir.«

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Irving – Königin Esther (In die Zukunft)

Jimmy fiel es in Wien immer schwer zu unterscheiden, was ehrlich und unverstellt war und was einfach nur zynisch.

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Irving – Königin Esther (Am Telefon)

Er sollte sich an wenig von seiner Reise nach Wien erinnern, hatte sich aber bereits ausgemalt, wie es sein würde, dort zu sein: ein Fremder in einer fremden Stadt.

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Llamazates – Der gelbe Regen (4)

Gewiß, die Einsamkeit hat mich dazu gezwungen, mir von Angesicht zu Angesicht selbst gegenüberzutreten. Aber auch dazu, im Gegenzug Erinnerungen die schweren Mauern des Vergessens aufzubauen. Nichts macht einem Menschen soviel Angst wie ein anderer Mensch – vor allem, wenn beide ein und derselbe sind –, und das war meine einzige Möglichkeit, inmitten von soviel Zerfall und soviel Tod zu überleben, die einzige Möglichkeit, die Einsamkeit und die Angst vor dem Verrücktwerden zu ertragen. Ich erinnere mich, daß ich als Kind meinen Vater Geschichten und Ereignisse aus früherer Zeit erzählen hörte, daß ich meine Großeltern und die Alten des Dorfes am Feuer sitzen sah und der Gedanke, daß sie es bereits gab, als ich noch nicht einmal geboren war, mich mit Angst erfüllte und mir weh tat. Ohne daß jemand davon wußte, lauschte ich damals ihren Geschichten – auf der Bank in einer Ecke sitzend, wahrscheinlich nahmen sie mich nicht einmal wahr –, bis ich einschlief, und machte ihre Erinnerungen zu meinen eigenen. Ich stellte mir die Orte und Personen vor, von denen sie sprachen, verlieh ihnen die Gesichter, die sie für mich gehabt hatten, und so wie man das Bild eines Wunsches oder eines Gedankens entwirft und ausgestaltet, baute ich auf diese Weise meine Erinnerungen mit den ihrigen auf. Als Sabina starb, zwang mich die Einsamkeit, dasselbe wieder zu tun. Wie ein versumpfter Fluß war der Lauf meines Lebens plötzlich versiegt, und jetzt erstreckte sich vor mir nur noch die unermeßliche, karge Landschaft des Todes, und der endlose Herbst mit den blutlosen Menschen und Bäumen und dem gelben Regen des Vergessens.

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Llamazates – Der gelbe Regen (2)

Und so war der Schnee, als er dann kam, schon seit langem in unseren Herzen. 

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Ponthus – Am laufenden Band (1.)

Kommt man heraus

Weiß man nicht kehr man zurück in die echte Welt oder verlässt man sie

Obwohl man ja weiß eine echte Welt gibts nicht

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Auster – The Music of Chance (7)

Before he could begin to feel truly sorry for himself, he was already dead to the world.

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Székely – Verlockung (Dritter Teil, Ich und der lächelnde Maschinist; 14)

»Ja. Los, spring auf!« Er zeigt auf eine Straßenbahn, die eben um die Ecke bog.
»Fährt sie auch in die richtige Richtung?«, fragte ich, schon im Laufen.
»Ja«, rief er mir nach, und heute weiß ich, dass er recht gehabt hat.
Ich kam dort an, wo ich ankommen musste.

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Székely – Verlockung (Dritter Teil, Ich und der lächelnde Maschinist; 5)

Diese schweigenden Menschen hatten in meinen Gedichten ihre Stimme erhoben; ihr Schweigen hatte mich zum Reden gebracht. In den langen Nächten meiner Kindheit hatte ich von ihrem Erwachen geträumt, und als ich meine Träume vergaß, reimte sich mein Leben nicht mehr. Ich hatte nichts, worüber ich schreiben, nichts wofür ich leben konnte. Irgendetwas in mir war erstarrt.

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