Der Roman ist ein Monster; in meiner Ausgabe geht der Text bis S. 1085, es folgen ein Nachwort und gut zwei Seiten Erläuterungen zu mexikanischen Wörter. Er besteht aus fünf Büchern, die aber durch die auftretenden Figuren und die Orte miteinander verbunden sind.
Worum es insgesamt geht, ist schwer zu sagen. Den Rahmen bildet die Suche nach dem berühmten Schriftsteller Benno von Arcimboldi (Buch 1), den niemand kennt und der sich in Mexiko aufhalten soll, und seine Lebensgeschichte (Buch 5): ein Deutscher aus Ostpreußen, Hans Reiter, der eine deutlich jüngere Schwester hat, Soldat im Zweiten Weltkrieg wird, im Kriegsgefangenenlager einen anderen, der 500 Juden hat erschießen lassen, nachts erwürgt, nach seiner Entlassung jobt und schließlich zu schreiben beginnt. In Hamburg findet er schließlich einen Verleger, nennt sich Benno von Arcimboldi und liefert in kurzer Zeit eine Reihe von Romanen ab.
Der Sohn seiner Schwester war in die USA ausgewandert, war öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten, deshalb nach Mexiko ausgewandert, hatte einen florierenden Computerladen und war dann verhaftet worden, weil man ihm vorwarf, für die Frauenmorde in Santa Teresa verantwortlich zu sein. Seine Mutter versucht, ihm zu helfen, und zum Schluss bricht Arcimboldi nach Mexiko auf – das ist dann die Vorgeschichte zu Buch 1, hier schließt sich der Kreis.
Viele Leser sehen in den Ereignissen in Santa Teresa, Mexiko, nahe der Grenze zu den USA, und dann speziell in den sämtlich unaufgeklärten Frauenmorden den Kern des Romans – schließlich werden im Lauf der Jahre dort 400 Frauen ermordet. Aber nach der Ermordung Tausender, vielleicht Zig-Tausender Demonstranten im Iran (Januar 2026) und einen Tag nach dem Auschwitz-Gedenktag (6.000.000 systematisch ermordete Juden) fragt man sich abgebrüht: Was sind schon 400 tote Frauen? Diese Passage, Buch 4, habe ich großenteils übersprungen: eine Frau nach der anderen ermordet, anal und vaginal vergewaltigt, ihre Lebenssituation, kurze erfolglose Ermittlungen, und dann der nächste Mord, eine eintönige Geschichte.
Wenn man perplexity fragt: Worum geht es in dem Roman, bekommt man folgende Antwort:
Worum geht es in dem Roman 2666 von Roberto Bolano?
„2666“ ist ein monumentaler, fünfteiliger Roman, der lose durch eine nordmexikanische Grenzstadt namens Santa Teresa, eine Serie von Frauenmorden und die Figur des geheimnisvollen deutschen Schriftstellers Benno von Archimboldi zusammengehalten wird. Er verbindet Liebesgeschichten, Kriminalfall, Kriegsroman und Schriftstellerbiografie zu einem sehr düsteren Panorama von Gewalt, Moderne und „Weltliteratur“.
Aufbau und Handlung in groben Zügen
Der Roman besteht aus fünf Teilen, die je eigene Handlungsstränge haben, aber auf Santa Teresa und Archimboldi zulaufen.
- Teil 1 („Der Teil der Kritiker“): Vier Literaturwissenschaftler aus Europa sind besessen von dem schwer fassbaren deutschen Autor Archimboldi und reisen schließlich nach Santa Teresa, wo er gesehen worden sein soll; ihre Suche verläuft im Nichts, und nebenbei zerbricht ihr Liebes und Freundschaftsgeflecht.
- Teil 2 („Der Teil von Amalfitano“): Der chilenische Professor Amalfitano lebt mit seiner Tochter Rosa in Santa Teresa und wird zunehmend paranoid, weil er die Stadt wegen der Gewalt gegen Frauen als tödliche Bedrohung für sie empfindet.
- Teil 3 („Der Teil von Fate“): Der afroamerikanische Journalist Oscar Fate kommt für einen Boxkampf in die Stadt, gerät in die Partyszene, lernt Rosa kennen und versucht schließlich, sie vor der Gefahr in Santa Teresa in Sicherheit zu bringen.
- Teil 4 („Der Teil der Verbrechen“): Über Hunderte von Seiten werden die Morde an Frauen in und um Santa Teresa protokolliert – oft Arbeiterinnen der Maquiladoras –, dazu Polizeiarbeit, Korruption und der Fall des Deutschen Klaus Haas, der als Verdächtiger im Gefängnis sitzt, während die Morde weitergehen.
- Teil 5 („Der Teil von Archimboldi“): In einer großen Rückblende wird das Leben von Hans Reiter alias Benno von Archimboldi erzählt, einem deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs, der zum Schriftsteller wird und dessen Biografie schließlich eine Verbindung zu Santa Teresa und den Verbrechen erhält.
Zentrale Themen
„2666“ kreist vor allem um strukturelle Gewalt, insbesondere gegen Frauen, und darum, wie Gesellschaften das Böse normalisieren oder ignorieren. Die nicht aufgeklärte Mordserie in Santa Teresa ist an die realen Frauenmorde von Ciudad Juárez angelehnt und bildet den apokalyptischen Kern des Buches.
Daneben reflektiert der Roman die Rolle der Literatur: Kritiker, Schriftsteller und Leser versuchen Sinn zu erzeugen, stoßen aber auf Leere, Zufall und Chaos. Form und Umfang des Werks selbst wirken wie ein Weltmodell – ein Netz aus Episoden, Spuren und Andeutungen, in dem es keinen klaren „Haupthelden“ und keine eindeutige Auflösung gibt.
In der Wikipedia und bei getabstract (die beiden ersten Links) findet man ähnliche, jedoch ausführlichere Übersichten. – Um Leere, Zufall und Chaos aufzuzeigen, hat Kafka keine 1000 Seiten gebraucht.
Eine Reihe von mexikanischen Wörtern musste ich nachschlagen (sagte man früher), weil die Erläuterungen am Ende zu knapp sind; „Epitufe“ habe ich nirgendwo finden können. Gelegentlich stößt man auf grammatische Schnitzer („zum Arena“, „in einem der Zellen im Keller“, „mit Hilfe einer rechtlichen Schliche“), die Vielzahl der Namen verwirrt einen.
„Was sind wir inmitten der Unergründlichkeit des Alls? Welche Erinnerung wird an uns bleiben?“ (S. 874)
https://de.wikipedia.org/wiki/2666_(Roman)
https://www.getabstract.com/de/zusammenfassung/2666/34737
https://lernlitlmu.hypotheses.org/5462 (eigenwillige Deutung)
https://www.reddit.com/r/books/comments/1hh0kaa/thoughts_on_2666/?tl=de (Leserkommentare)
https://www.perlentaucher.de/buch/roberto-bolano/2666.html (Referat der Rezensionen in den großen dt. Zeitungen)