Eine Runde japanische Filme habe ich euch bereits serviert (nämlich hier). Der Japanuary im Jahr 2026 hatte aber noch ein paar andere Werke zu bieten, die sogleich auf eure Iris projiziert werden.
パプリカ – Paprika (2006)
Ein Fiebertraum in Farbe. Ein Spionagethriller in bunt. Verwirrend und chaotisch, zugleich faszinierend und wahnsinnig bizarr. Laut! Und bunt! Habe ich schon bunt gesagt? Satoshi Kons Paprika ist wie die gleichnamige Frucht – wild würzig und sanft süß und verdammt schnell verzehrt. Aber zu manchen Gerichten, nennen wir sie Zuschauer, passt sie einfach nicht.
>> 3,5 von 5 aufgehende Sonnen <<
湯を沸かすほどの熱い愛 – Mio On The Shore (2019)
Ein kleiner, ruhiger Coming-of-Age-Film, der die Protagonistin namens Mio aus dem ländlichen, gemächlich-leisen Japan in das pulsierend-laute, atemlose Stadtleben Tokios versetzt. Mit all den neuen Einflüssen, an denen Mio allmählich zu wachsen scheint. Mio On The Shore ist etwas zu oberflächlich und vorhersehbar erzählt, mehr Schwung hätte dem Werk sicher gut getan. Der visuelle, altmodische Touch kleiner, dreckiger Nebenstraßen in der so modern erscheinenden Metropole gibt dem Werk aber einen besonderen Flair, der sehenswert ist.
>> 3,5 von 5 aufgehende Sonnen <<
ちひろさん – Call Me Chihiro (2023)
Ein stiller Schutzengel. Mit reinem, ehrlichem Herzen. Immer da, wenn Hilfe dringend gebraucht wird. Emotionaler Beistand, wenn dieser spontan benötigt wird. Beste Freundin an deiner Seite. Schlaue Verkupplerin und Freunschaftsanbahnerin. Aber selbst einsam und zurückgezogen agierend. Auf emotionalen Abstand bedacht und oft rigoros darauf pochend. Ihre Freiheit mit Inbrunst verteidigend. Das ist sie! Die Protagonistin! Nennt sie einfach Chihiro!
>> 3,5 von 5 aufgehende Sonnen <<
最高の教師 1年後、私は生徒に■された – The Greatest Teacher (Miniserie, 2023)
Die ‚zweites Leben‘ Grundidee (no spoiler) dient lediglich als Aufhänger, um im Verlauf der Miniserie die verschiedensten gesellschaftlichen Strukturen, kulturellen Eigenheiten und spezifisch japanischen Besonderheiten zu thematisieren. Die oft versteckt und ab und an offensichtliche Anklage bestimmter Normen, Werte und erwarteten Ergebnisse bilden den Kern von The Greatest Teacher. Das Schauspielensemble ist durch die Bank beeindruckend eindringlich. Einziger Schwachpunkt der eher dialoglastigen, denn actionreichen Serie ist die repetitiv verwendete Musik, die des Öfteren ein wenig nervig ist. Dennoch nicht nur für Lehrer:innen sehenswert. 😉
>> 4 von 5 aufgehende Sonnen <<
Zusätzlich begleitete mich literarisch mal wieder Haruki Murakami durch den Januar. Diesmal mit Kafka On The Shore (海辺のカフカ). Mio hat der gute Kafka dort nicht getroffen. Dafür ein Sammelsurium an interessanten Figuren, eingebettet in ein im Kern recht weltliches Erzählkonzept, das aber natürlich eine übersinnliche oder außerweltliche Komponente enthält und in ein famoses Finale mündet. Definitiv einer der richtig guten Murakami Romane!
>> 4,5 von 5 sprechende Katzen <<
PS: Wer gern zeitnah eine erste Einschätzung zu gesehenen Werken wünscht, kann sich ab sofort auf meinem Letterboxd Account informieren. Schaut rein. Ich beiße nicht. Zumindest nicht immer.


