Filmfest
- Der Schuh des Manitu (2001, Rewatch)
In Vorbereitung auf die späte Fortsetzung (siehe unten) stand ein nostalgischer Rewatch des Michael ‚Bully‘ Herbig Klassikers an. Und der funktioniert noch immer überraschend gut, auch wenn einzelne Figuren und ethnische Minderheiten hier mit stereotypischer Darstellung abgespeist werden. Die Komik und insbesondere das Zusammenspiel zwischen Bully und Christian Tramitz alias Ranger widersteht dem Zahn der Zeit, so dass Der Schuh des Manitu in seiner reminiszenten Aneinanderreihung bekannter Momente weiterhin beim Schauen ein Lachen ins Gesicht zaubert.
Benson und Moorhead, das regissierende Duo hinter The Endless warten nach Spring mit einem weiteren überzeugenden Werk auf. The Endless kommt in seiner geerdeten und gleichzeitig kosmisch abgehobenen Erzählweise sowohl einfach und als auch unendlich tiefsinnig daher. Die beiden Regisseure verstehen es echt gut, universale Themen in überirdische Geschichten zu verpacken, die den Zuschauer am Ende mit einem Aha-Effekt und tiefsinnigen Gedanken in den stupiden Alltag entlassen.
Bildgewaltiges Werk, das vor allem durch Adrien Brodys intensives Schauspiel nach und nach ein immer mehr forderndes Gesamtbild eines Menschen zeichnet, der durch die äußeren Umstände seinen Charakter anpasst und dadurch nicht nur sich, sondern auch alle Menschen um ihn herum beeinflusst. The Brutalist zeigt in wuchtigen Bildern den Einfluss von Macht und den steten Verfall der Menschlichkeit in einer brutal agierenden Welt. Manifest und visuell beeindruckend erschafft Regisseur Brady Corbet (verantwortlich für Vox Lux) ein stilistisches Meisterwerk mit ein wenig zu langer Laufzeit.
- Sonic The Hedgehog 3 (2024)
Bei der Sichtung des zweiten Teils hatte ich prophezeit einen dritten Teil ebenfalls zu verkonsumieren. Ist hiermit geschehen! Und auch Sonic The Hedgehog 3 hat seine Momente. Der sympathische Igel von nebenan verliert ein wenig an Charisma, was seine Gang allerdings gut auszugleichen weiß. Der neue Antagonist kann gefallen, so dass in Summa ein wieder unterhaltsamer Filmspaß die Flimmerkiste bevölkerte, der im Gesamtkanon allerdings der Ziffer im Titel gerecht wird und lediglich der drittbeste Output des Ganzen darstellt.
- The Lord Of The Rings: The War Of The Rohirrim (2024)
Der Film trägt den großen Trilogie-Namen im Titel, kommt aber in keiner Minute an diese heran. Die Geschichte rund um die weibliche Hauptfigur zu etablieren, wirkt frisch und unverbraucht, täuscht allerdings nicht über die doch nur dünne Story hinweg. Der Anime-Stil schafft es zumindest atmosphärisch an das filmische Vorbild heranzukommen, aber das ab und an anbiedernde Zitieren vom Original, ob visuell, in Form einzelner Figuren oder musikalisch trübt den Eindruck von The War Of The Rohirrim doch arg. Leider hält der Film nicht das, was man sich als Fan vom Franchise verspricht.
Andrea Arnold hat ein Händchen für unverbrauchte, junge Gesichter, die gerade in ihren Filmen famos aufspielen. Bei Bird überzeugt Nykiya Adams als Protagonistin Bailey, flankiert von einem herrlich schräg agierenden Franz Rogowski als titelgebender Bird. Ms. Arnold bleibt ihrem narrativen und visuellen Sujet als auch ihrem sozialen Milieu, in dem die Geschichte spielt, treu, fügt diesmal aber zusätzlich eine surreale Komponente hinzu. Das wiederum war etwas ungewöhnlich, im Kontext der Erzählung aber nicht unpassend. Wer Werke wie Fish Tank und American Honey mochte, wird auch Bird begeistert konsumieren.
Kinokunst
Steven Spielbergs Hai-Horror-Klassiker im Kino zu sehen, war großartig! Jaws weiß von Minute Eins an, wie Spannung erzeugt werden muss und exerziert diesen Spannungsbogen meisterlich bis zum Finale durch. Visuell famos in Szene gesetzt und flankiert von schauspielerischen Glanzleistungen hängen die Früchte des Ruhms für alle nachfolgenden Haihorror-Filme auch fünfzig Jahre später zu hoch, um an Der weiße Hai annähernd heranzukommen.
Zach Cregger findet in seinem Werk einen durchaus interessanten Ansatz, die Spannungskurve immer weiter zu heben, indem er die Grundstory in verschiedene Kapitel aufdröselt, die nach und nach zur Lösung des Rätsels beitragen. Das dabei die Antwort an sich eher konservativ altbacken (für im Horror beheimatete Zuschauer) erscheint, lässt sich so gekonnt kaschieren, jedoch nicht in Gänze verbergen. Visuell ist Weapons durchschlagsstark. Ob der geneigte Zuschauer auch die metaphorisch verpackte Gesellschaftskritik entschlüsselt oder sich lediglich an der gelungenen Inszenierung erfreut, sei an dieser Stelle dahingestellt. Sehenswert ist Weapons so oder so.
Mit Past Lives gelang Celine Song ein rundum gelungener Einstand als Regisseurin. Nach Sichtung des neuen Werks kann ich sagen: Ihr Debüt fand ich tatsächlich noch einen (oder zwei) Ticken besser. Aber Materialists ist dennoch recht sehenswert, weil der Film sich gekonnt den normalen RomCom Konventionen entzieht und sich gleichzeitig trotzdem ab und an genüsslich darin suhlt. Dakota Johnsons Rolle hat Charme, während beide Love Interests den letzten emotionalen Funken vermissen lassen. Vor allem Pedro Pascals Harry Castillo funktioniert für mich so rein gar nicht. Kann aber auch daran liegen, dass mir abgebrannte Looser-Typen wie Chris Evans‘ John schon immer sympathischer waren.
- Das Kanu des Manitu (2025)
Kann Jahrzehnte nach dem Überhit das Kanu dem Kanon des Manitu noch etwas hinzufügen? Handlungstechnisch eher nicht, aber Bully Herbig gelingt es mit seinem Blutsbruder Ranger alias Christian Tramitz den Geist des Vorgängers heraufzubeschwören, zitiert sich wieder wild durch verschiedenste Filmvorbilder und raucht die Friedenspfeife mit vergangenen stereotypischen Fehlern. Das Kanu des Manitu ist ein mildes Alterswerk, das vereinzelt den Atem des Schuhs spüren lässt und für Fans einen versöhnlichen Abschluss bereithält.
- The Fantastic 4: First Steps (2025)
Der erneute Aufguss der fantastischen Vier macht einiges richtig: Ein wunderbar ausgearbeitetes, futuristisch angehauchtes 1960er Jahre Setting, sehr retro, aber dennoch, vor allem technisch, modern. Ein durchaus gelungenes Casting der vier Haupthelden und ein plausibles narratives Grundgerüst. Was allerdings den guten Eindruck etwas verschlechtert, ist die lahme Geschichte, die in einigen Plotpunkten entweder völlig unlogisch oder vollkommen überflüssig daherkommt. The Fantastic 4: First Steps macht erste zaghafte Baby-Schritte, kann mit dieser Ouvertüre aber noch keine überaus großen Fußstapfen hinterlassen. Immerhin: Das Potential ist vorhanden.
Serienspektakel
AppleTV Serie, die das Thema Dimensionssprünge behandelt. Insbesondere auf der Figurenebene kann Dark Matter punkten, was vor allem dem spielfreudigen Schauspielensemble (Wooohoo, Jennifer Connelly!) zuzuschreiben ist. Von den einzelnen Welten hätte es ruhig mehr zu sehen geben können. Für SciFi Fans aber unbedingt empfehlenswert.
- Doppelhaushälfte (Staffel 1)
Deutsche Comedy, die sich voll und ganz dem Culture Clash hingibt, dabei bei den Figuren aber gekonnt mit den Erwartungen spielt und diese entgegen ihrer Charakterzeichnung agieren lässt. Doppelhaushälfte in der ersten Inkarnation sprüht vor Einfallsreichtum und hat mit dem sympathischen Cast sofort liebenswerte Brücken gebaut.
- Love, Death + Robots (Staffel 4)
Staffel 4 von Love, Death + Robots verliert ein wenig den philosophisch-tiefgründigen Aspekt der Vorgänger. Grafisch sind immer noch verschiedenste Stile erkennbar, die mal mehr, mal weniger gut funktionieren. Witzigste Folge: Smart Appliances, Stupid Owners. Beste Folge: Natürlich Close Encounters of the Mini Kind. Und hey, Katzen kommen auch wieder vor.
- Game of Thrones (Staffel 5, Rewatch)
Die fünfte Staffel rückt den Religion und Staat Aspekt in den Mittelpunkt, wenn der High Sparrow die Regie übernimmt, zeigt erste größere Probleme der Herrschaft von Daenerys auf und bringt mit Haus Dorne einen neuen Spielstein aufs Brett. Insbesondere die Charakterentwicklung bisheriger (Neben)figuren – wie die Stark Schwestern, Samwell Tarly oder Ser Davos – werden vorangetrieben. Game of Thrones versucht mittlerweile die einzelnen Parteien zu fokussieren und mögliche zukünftige Konstellationen auszuloten, um Hauptgegner und deren Verbündete zu definieren. Das gelingt auch weiterhin erzählerisch ohne Abstriche.