Verein Berliner Kaufleute und Industrieller – VBKI https://vbki.de Wir unternehmen Berlin Thu, 19 Mar 2026 10:52:23 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.4 https://vbki.de/wp-content/uploads/2023/10/cropped-favicon-vbki5-32x32.png Verein Berliner Kaufleute und Industrieller – VBKI https://vbki.de 32 32 Willkommen im „New Normal“ https://vbki.de/2026/03/19/willkommen-im-new-normal/ Thu, 19 Mar 2026 10:50:10 +0000 https://vbki.de/?p=987528448

Willkommen im „New Normal“

Foreign-Policy-Talk analysiert eine Welt im Umbruch

Text Sebastian Thomas | Leiter Kommunikation und Marketing

Die alte Weltordnung bröckelt – doch eine neue ist noch nicht in Sicht. Statt klarer Bündnisse prägen Unsicherheit, Machtpolitik, Krisen und Konflikte sowie ein zunehmend rauer Umgangston die internationale Bühne. Genau diese Zwischenphase stand im Zentrum eines Foreign Policy Lunches, bei dem eine Expertenrunde mit rund 50 Mitgliedern und Gästen die geopolitischen Umbrüche unserer Zeit diskutierte.

Initiiert vom Ausschuss „Internationale Politik und Wirtschaft“ und moderiert von dessen Co-Vorsitzenden Prof. Eberhard Sandschneider analysierten Michael Müller, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin und langjähriges Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, sowie Stormy-Annika Mildner, Geschäftsführende Direktorin des Aspen Instituts Deutschland, die tektonischen Verschiebungen der internationalen Politik. Sie zeichneten das Bild einer Welt, in der sich Europa neu positionieren muss.

Abschied von alten Gewissheiten

Stormy-Annika Mildner beschrieb ein internationales „New Normal“: mehr Transaktionalismus, schwindende Verbindlichkeit und ein rauerer diplomatischer Ton. Die Zeit eines stabilen transatlantischen Werte- und Interessensbündnisses sei vorbei. Zwar seien die USA mehr als eine einzelne Administration, doch das Prinzip „America First“ gewinne zunehmend an Gewicht – mit spürbaren Folgen für Partner und Institutionen.

Auch auf internationalen Foren wie der Münchner Sicherheitskonferenz oder dem Raisina Dialogue in Neu-Delhi werde dieser Wandel sichtbar: Der viel zitierte „europäische Moment“ bleibe bislang aus. Europa spreche nicht mit einer Stimme und werde entsprechend nicht als geschlossener Akteur wahrgenommen.

Gleichzeitig verschieben sich die Perspektiven: Während Europa und Nordamerika die Umbrüche vor allem als Risiko begreifen, sieht der globale Süden darin häufig auch Chancen. Die bestehende Weltordnung gilt dort zunehmend als westlich geprägt und nicht mehr zeitgemäß.

Europa zwischen Werten und Interessen

Michael Müller betonte, dass viele in Europa den tiefgreifenden Wandel zwar erkannt hätten – nicht jedoch dessen Richtung. Unklar sei vor allem, welche Rolle Europa künftig spielen wolle und könne und wer seine verlässlichen Partner seien.

Besonders gravierend sei der Vertrauensverlust im Nahen Osten. Doppelstandards in der wertegeleiteten Außenpolitik und fehlende langfristige Strategien hätten die Glaubwürdigkeit nachhaltig beschädigt. Vor diesem Hintergrund stellte sich die zentrale Frage: Muss Europa seine wertebasierte Außenpolitik stärker an Interessen ausrichten?

Die Antwort fiel differenziert aus: Werte und Interessen stehen nicht zwangsläufig im Widerspruch. Eine wertegeleitete Politik kann durchaus im eigenen Interesse liegen – darf jedoch nicht der alleinige Maßstab in einer zunehmend komplexen Welt sein.

Neue Allianzen, neue Instrumente

Mildner verwies auf einen Trend hin zu flexibleren Kooperationsformaten: Wo multilaterale Lösungen blockiert sind, gewinnen „Koalitionen der Willigen“ oder Bündnisse von Mittelmächten an Bedeutung. Beispiele wie die Annäherung an Indien zeigen jedoch auch die Grenzen solcher Partnerschaften – sie sind oft pragmatisch, aber keine Wertegemeinschaften.

Zugleich gewinnt „Economic Statecraft“ an Bedeutung: Wirtschaftliche Instrumente werden gezielt zur Durchsetzung außenpolitischer Ziele eingesetzt. Das wirft schwierige Fragen auf – etwa nach Kosten, Prioritäten und politischer Steuerung.

Verwundbarkeit moderner Gesellschaften

Ein zentrales Thema war die mangelnde Resilienz moderner Gesellschaften, insbesondere in urbanen Räumen. Mildner machte deutlich, dass Effizienzsteigerungen über Jahrzehnte Vorrang vor Risikomanagement hatten. Der Aufbau von Redundanzen oder strategischen Reserven spielte lange kaum eine Rolle.

Die Folge sind gewachsene Abhängigkeiten und erhöhte systemische Risiken – sowohl auf Unternehmensebene als auch gesamtwirtschaftlich.

Mit Blick auf Berlin wurde Müller noch deutlicher: Die Hauptstadt sei auf Krisen- oder gar Kriegsfälle unzureichend vorbereitet. Es fehle an Schutzräumen, einer koordinierten zivilen Krisenstruktur und abgestimmten Gesundheitskapazitäten. Erste Fortschritte seien erkennbar, insgesamt bestehe jedoch erheblicher Nachholbedarf.

Dauerkrisen im Nahen Osten

Mit Blick auf mögliche Entwicklungen im Nahen Osten überwog Skepsis. Militärische Interventionen bieten aus Sicht der Diskutanten keine nachhaltigen Lösungen, ein Regimewechsel von außen erscheint unrealistisch. Die Konflikte drohen sich weiter auszuweiten – mit langfristigen humanitären und politischen Folgen.

Selbst im Falle eines Endes der Kampfhandlungen fehlt es an tragfähigen Konzepten für die Zeit danach – sowohl in den USA als auch in Israel.

China als stiller Profiteur

Im geopolitischen Wettbewerb rückt China zunehmend in den Fokus. Sandschneider beschrieb das Land als strategisch geduldig und langfristig orientiert. Während der Westen mit internen Spannungen ringt, inszeniert sich China als Stabilitätsanker und als Verfechter einer regelbasierten Ordnung – zumindest rhetorisch.

Tatsächlich hat China in vielen Technologiebereichen bereits eine Führungsrolle erreicht und nutzt wirtschaftspolitische Instrumente gezielt zur Durchsetzung eigener Interessen. Für viele Staaten des globalen Südens ist Peking damit zu einer attraktiven Alternative geworden.

Europa ohne gemeinsame Stimme?

Welche Rolle wird Europa künftig spielen? Ein wiederkehrendes Motiv der Diskussion war die mangelnde Einigkeit des Kontinents. Nationale Interessen, politische Divergenzen und das Erstarken populistischer Kräfte erschweren eine gemeinsame Außenpolitik erheblich. Konzepte wie ein „Kerneuropa“ kommen seit Jahren kaum voran – eine Entwicklung, die Müller als „dramatisch“ bezeichnete.

Zugleich stehen die europäischen Gesellschaften vor strukturellen Herausforderungen: demografischer Wandel, die Leistungsfähigkeit von Staat und Verwaltung sowie der Umgang mit potenziell sinkendem Wohlstand. Eine dauerhaft expansive Schuldenpolitik ist kein tragfähiger Weg, um notwendige Entscheidungen aufzuschieben.

Gleichzeitig, so Mildner, dürfe sich Europa nicht „verzwergen“. Der Kontinent sei weiterhin ein wirtschaftliches Schwergewicht – dieses Potenzial müsse auch außenpolitisch stärker genutzt werden.

Fazit: Eine Welt ohne klare Ordnung

Der VBKI-Foreign-Policy-Lunch zeigte deutlich: Die internationale Politik befindet sich in einer offenen Übergangsphase. Alte Gewissheiten sind überholt, neue Strukturen noch nicht etabliert.

Europa steht vor der Herausforderung, seine Rolle neu zu definieren – zwischen Werten und Interessen, zwischen Anspruch und Realität. Entscheidend wird sein, strategische Ziele klar zu benennen und entschlossen zu verfolgen. Denn eines wurde ebenfalls deutlich: Verzagtheit kann zum Bumerang werden.

Oder positiv formuliert: Europa muss offen, flexibel und mutig agieren – und bereit sein, eingefahrene Wege zu verlassen. Eine Rückkehr zur alten Ordnung wird es nicht geben. Die Suche nach Antworten hat gerade erst begonnen.

 

Impressionen

Zur Bildergalerie: Bitte  hier klicken>

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

]]>
Gemeinsam Kunst erleben im VBKI-Kiez https://vbki.de/2026/03/17/gemeinsam-kunst-erleben-im-vbki-kiez/ Tue, 17 Mar 2026 17:12:24 +0000 https://vbki.de/?p=987528432

Gemeinsam Kunst erleben im VBKI-Kiez

Charlottenwalk eröffnet neue Perspektiven auf die Berliner Kunstszene

Text und Fotos: Katja Bartz | Mitgliederbetreuung

Etwa 25 Mitglieder des VBKI kamen zum Charlottenwalk im VBKI-Kiez zusammen. Die Gruppe setzte sich aus einer gelungenen Mischung langjähriger Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie neuen Gesichtern zusammen, die erstmals dabei waren.

Im Verlauf des Rundgangs wurden vier Galerien besucht, die den Teilnehmenden abwechslungsreiche Einblicke in die aktuelle Kunstszene boten. Besonders bereichernd war die fachkundige Begleitung durch Susanne Burmehl: Mit großem Hintergrundwissen erläuterte sie ausgewählte Werke und gab darüber hinaus spannende Einblicke in den Kunstmarkt. Ihre Ausführungen eröffneten neue Perspektiven und regten zur vertieften Auseinandersetzung mit den Exponaten an.

Eine erfrischende Pause beim Malte Uekermann Kunsthandel bot zwischendurch Raum für Austausch und persönliche Gespräche. In entspannter Atmosphäre kamen neue und erfahrene Teilnehmende schnell miteinander ins Gespräch und konnten ihre Eindrücke teilen.

Der Charlottenwalk hinterließ bei allen Beteiligten vielfältige Eindrücke und unterstrich einmal mehr den besonderen Reiz, Kunst gemeinsam zu entdecken und darüber in den Dialog zu treten.

Folgende Galerien haben wir besucht:

 

Bita Kolenda Gallery
Raha Rastifard ist eine zeitgenössische Konzeptkünstlerin, deren Arbeiten sich mit Identität, kulturellem Erbe und Erinnerung auseinandersetzen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie kulturelle Narrative fortbestehen, sich verändern und neu gelesen werden können.

Angesichts der von Leid, Verlust und politischer Gewalt geprägten Situation im Iran stellt sich für viele Perser die Frage, wie Sichtbarkeit geschaffen werden kann, ohne Schmerz zu reproduzieren. Wie lässt sich erinnern, ohne zu erstarren?

Die Ausstellung „Beneath the Surface“ antwortet mit einer bewussten Haltung: Sie ist kein Ort des Schmerzes, sondern einer der Hoffnung, Würde und inneren Kontinuität. Tradition und Gegenwart begegnen sich hier als fortlaufender, leiser Dialog.

Malte Uekermann Kunsthandel
Mit der Ausstellung „Lothar Quinte. Die 1960er Jahre“ widmet sich der Malte Uekermann Kunsthandel einer entscheidenden Werkphase eines deutschen Künstlers, der Malerei als optisches Ereignis verstand.

Quintes Arbeiten wirken bis heute gegenwärtig, weil sie nicht abbilden, sondern Sehen organisieren – als präzises Zusammenspiel von Rhythmus, Kante und Fläche. Die Werke dieser Dekade zeigen, wie konzentriert Malerei sein kann, wenn sie Wahrnehmung nicht illustriert, sondern strukturiert – als Ordnung aus Setzung, Wiederholung und Variation.

Galerie Mond
Kopf-Darstellungen sind ein klassisches Thema der zeitgenössischen Kunst. Auch der anwesende Künstler Martin Heinig fragt: Was sagt mehr über den Menschen aus als sein Antlitz?

Seine neoexpressionistische Malerei macht sichtbar, was im Gesicht liegt: die Spannung zwischen Individuum und Gesellschaft, Isolation, Trauer und emotionale Intensität, aber auch Euphorie und Warmherzigkeit.

Den oft großformatigen, in Öl und Gouache gemalten Köpfen kann man sich kaum entziehen. Es entsteht eine unmittelbare Kommunikation zwischen Betrachter und Bild – ein Zwiegespräch mit der Kunst. 

Galerie Albrecht
Nils Olav Bøes neueste Arbeiten setzen seine langjährige Auseinandersetzung mit dem fotografischen Bild und seinen sichtbaren wie verborgenen Bedeutungen fort. Die Fotografien und Filme untersuchen das Verhältnis von Zeit und Motiv sowie von Realismus und Vorstellung.

Ein geheimnisvoller Schleier liegt über den schwarz-weißen Fotografien und Filmen. Sie üben eine starke Faszination aus und werfen Fragen auf: Wo existieren diese Welten? Was sehen wir wirklich?

Der Künstler sagt, er wolle Bilder für innere Seelenzustände finden – eine Erklärung, die zum zweiten Hinsehen einlädt.

Impressionen

Zur Bildergalerie: Bitte  hier klicken>

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

]]>
Neue Kontakte, neue Perspektiven https://vbki.de/2026/03/10/neue-kontakte-neue-perspektiven/ Tue, 10 Mar 2026 13:31:05 +0000 https://vbki.de/?p=987528367

Neue Kontakte, neue Perspektiven

VBKI-Neumitgliederempfang bringt engagierte Persönlichkeiten zusammen

Text: Katja Bartz | Mitgliederbetreuung

In der stilvollen Atmosphäre der Bibliothek des Grand Hyatt Berlin entstand ein Abend voller Begegnungen, Gespräche und Aufbruchsstimmung. 38 Gäste aus Rechtsberatung, Immobilienwirtschaft, Unternehmertum, Kulturinstitutionen und weiteren Bereichen kamen zusammen, um sich kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und neue Perspektiven zu entdecken.

Begrüßt wurden die neuen Mitglieder von VBKI-Präsident Markus Voigt, dem Präsidiumsmitglied Andrea Grebe sowie der VBKI-Geschäftsführerin Ute Weiland. Sie hießen die Teilnehmenden im Netzwerk willkommen und unterstrichen die Bedeutung persönlicher Begegnungen für den Austausch innerhalb des Vereins. 

Auch kulinarisch war der Abend klar strukturiert: Den Auftakt bildete ein Carpaccio von der Roten Beete, gefolgt von geschmorter Rinderbacke mit Trüffeljus. Den Abschluss bildete ein vielfältiges Dessertbuffet. Zwischen den Gängen boten kurze Vorstellungsrunden Raum für einen lebendigen und zielgerichteten Austausch, bei dem jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer zu Wort kam.

Die Vielfalt des Abends spiegelte sich auch in den vorgestellten Perspektiven wider: So gab unter anderem Jeffrey Stahl Einblicke in das technische Immobilienmanagement, Friederike von Greve brachte ihre Expertise aus der Immobilienbranche ein, Sajeh Tavassoli betonte die verbindende Kraft der Kultur, und Frieda Vogel setzte kreative Impulse. Im Mittelpunkt stand dabei das Menschliche – fachliche Kompetenz, echtes Interesse und die Bereitschaft, gemeinsam neue Wege zu gehen.

Der Abend klang schließlich auf der Empore mit weiterführenden Gesprächen aus, getragen von einer offenen und verbindenden Atmosphäre. Für die neuen Mitglieder war der Empfang ein gelungener Auftakt – und ein motivierender Ausblick auf die kommenden Veranstaltungen des VBKI. 

Impressionen

Zur Bildergalerie: Bitte  hier klicken>

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

]]>
„Nur gemeinsam entsteht Kraft“ https://vbki.de/2026/03/02/nur-gemeinsam-entsteht-kraft/ Mon, 02 Mar 2026 10:30:24 +0000 https://vbki.de/?p=987528142

„Nur gemeinsam entsteht Kraft“  

Harald Christ über Teamgeist, klare Positionierung und einen starken Dialog zwischen Wirtschaft und Politik. 

Fragen Sebastian Thomas | Leitung Kommunikation & Marketing

Es war die Top-News beim Ball der Wirtschaft 2026: Harald Christ bewirbt sich als Kandidat des VBKI-Präsidiums um die VBKI-Präsidentschaft. Wer ist der Mann, der auf der VBKI-Mitgliederversammlung Anfang Juni den Staffelstab von Markus Voigt übernehmen möchte? Wie nimmt er den VBKI wahr, was motiviert ihn? Im Gespräch erläutert er, was ihn antreibt, welche Impulse er setzen möchte – und warum wirtschaftliche Stärke immer auch gesellschaftliche Verantwortung bedeutet.

Herr Christ, Sie bewerben sich als Kandidat des Präsidiums um die Nachfolge von Markus Voigt als Präsident des VBKI. Was treibt Sie an?

Die Motivation ist im Kern sehr simpel: Verantwortung für diese großartige Stadt und ihre wirtschaftliche Zukunft zu übernehmen. Unser VBKI ist seit über 140 Jahren eine starke, unabhängige Stimme der Berliner Wirtschaft. Er verbindet Unternehmerinnen und Unternehmer, fördert den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und setzt Impulse für den Standort. Ich habe in unterschiedlichen unternehmerischen Rollen erlebt, wie wichtig verlässliche Netzwerke, wirtschaftspolitische Klarheit und ein konstruktives Mindset sind – gerade in einer Stadt wie Berlin, die enormes Potenzial hat, aber auch vor strukturellen Herausforderungen steht. Dieses Potenzial weiter zu stärken und den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Stadtgesellschaft aktiv zu gestalten, motiviert uns Berliner Unternehmerinnen und Unternehmer ungemein.

„Meine Motivation? Verantwortung für diese großartige
Stadt und ihre wirtschaftliche Zukunft zu übernehmen.“

Zugleich geht es beim VBKI nicht nur um wirtschaftspolitische Themen. Unser soziales Engagement, etwa im Rahmen unseres Projekts „Berliner Lesepaten“ und andere Initiativen, zeigt, dass wirtschaftliche Verantwortung immer auch gesellschaftliche Verantwortung bedeutet. Diese Verbindung von wirtschaftlicher Stärke und sozialem Engagement halte ich für zentral.

Ich möchte ausdrücklich betonen, welch beeindruckende Entwicklung der VBKI in den vergangenen Jahren genommen hat. Markus Voigt hat den Verein mit großer Integrität, Klarheit und Engagement geführt und weiterentwickelt. Darauf lässt sich aufbauen. Ebenso zentral ist das starke Team in der Geschäftsstelle mit Ute Weiland an der Spitze, das die tägliche Arbeit mit hoher Professionalität trägt.

Das Amt des Präsidenten ist ein Ehrenamt. Es geht nicht um eine Position, sondern um einen Beitrag. Wenn ich kandidiere, dann aus der Überzeugung heraus, dass ich meine Erfahrung, mein Netzwerk und meine Energie einbringen kann, um unseren VBKI gemeinsam mit dem Präsidium und den Mitgliedern weiterzuentwickeln und zukunftsfest zu machen. Berlin braucht wirtschaftliche Stärke, Innovationskraft und unternehmerische Verantwortung. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen.

Mit welchen drei Adjektiven würden Sie sich als Person und Führungspersönlichkeit beschreiben?

Verbindlich, verlässlich und entschlossen. Verbindlich, weil Verbindlichkeit und damit Vertrauen die Grundlage jeder erfolgreichen Zusammenarbeit sind. Gerade in einem Wirtschaftsverein mit sehr unterschiedlichen Perspektiven ist das entscheidend. Verlässlich, weil ich selbst Verantwortung übernehme und mich auch dementsprechend einbringe. Entschlossen, weil gute Ideen nur dann Wirkung entfalten, wenn man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und konsequent zu handeln.

„Mich beeindruckt, wie sachlich und zugleich engagiert
im VBKI diskutiert wird.“

Welche Erfahrungen aus Ihrem bisherigen beruflichen und gesellschaftlichen Werdegang würden Sie in den VBKI einbringen?

Ich bringe sowohl eine unternehmerische als auch eine politische Perspektive mit. Als Unternehmer habe ich Verantwortung für Investitionen, Arbeitsplätze und strategische Entscheidungen getragen. Ich kenne die Realität von Wettbewerb, Regulierung, Finanzierung und Transformation aus eigener Erfahrung. Man lernt sehr konkret, welche Rahmenbedingungen Wachstum ermöglichen – und welche es behindern.

Aus meiner politischen Erfahrung weiß ich zugleich, wie Entscheidungsprozesse funktionieren, wo Zielkonflikte entstehen und wie wichtig klare Kommunikation und Prioritätensetzung sind. Diese Erfahrung an der Schnittstelle von Wirtschaft und Politik halte ich für unsere Arbeit im VBKI für besonders wertvoll.

Wann sind Sie erstmals mit dem VBKI in Berührung gekommen und was hat Sie damals besonders angesprochen?

Meine ersten Berührungspunkte mit dem VBKI hatte ich im Rahmen wirtschaftspolitischer Veranstaltungen und im Austausch mit Mitgliedern. Mich hat beeindruckt, wie sachlich und zugleich engagiert dort diskutiert wird. Der VBKI ist kein Ort für kurzfristige Schlagzeilen, sondern für substanzielle Debatten über die wirtschaftliche Zukunft Berlins. Diese Ernsthaftigkeit und die Bereitschaft zum konstruktiven Dialog haben mich von Anfang an überzeugt.

Was zeichnet den VBKI aus Ihrer Sicht aus und was macht ihn in Ihren Augen möglicherweise einzigartig?

Unser VBKI ist eine unabhängige Wirtschaftsvereinigung mit historischer Tiefe und gleichzeitig modernem Anspruch. Er bündelt unternehmerische Kompetenz aus unterschiedlichen Branchen und Generationen.

Einzigartig ist aus meiner Sicht die Verbindung aus Tradition, Unabhängigkeit, strategischem Gestaltungswillen und gemeinnützigem Engagement. Der VBKI versteht sich nicht als kurzfristige Interessenvertretung einzelner Gruppen, sondern als langfristig denkende Stimme der Berliner Wirtschaft. Gerade in einer Hauptstadt, in der politische Entscheidungen unmittelbare wirtschaftliche Auswirkungen haben, ist eine solche unabhängige und sachorientierte Plattform von entscheidender Bedeutung.

Zugleich hat der VBKI das Potenzial, noch stärker als zentraler Treffpunkt der Wirtschaft in der Bundeshauptstadt wahrgenommen zu werden – wir sollten unseren VBKI als „Place to be“ für Unternehmen aus ganz Deutschland, die in Berlin präsent sein und den Dialog mit Politik und Wirtschaft suchen, positionieren.

Gibt es aus dem vielfältigen Aktivitätsspektrum des VBKI Themen und Projekte, die Ihnen besonders am Herzen liegen würden?

Vier Themen sind mir besonders wichtig. Erstens, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Berlin. Das beinhaltet schnelle Planungs- und Genehmigungsverfahren, verlässliche Investitionsbedingungen und eine klare wirtschaftspolitische Strategie.

Zweitens, Talente und Gründergeist. Berlin zieht kreative und unternehmerische Menschen aus aller Welt an. Wir müssen bessere Bedingungen schaffen, damit aus Ideen nachhaltige Unternehmen werden und Wertschöpfung in der Stadt bleibt. Wir sollten unseren VBKI noch stärker auch für jüngere Generationen öffnen und gezielt Räume für Austausch, Mentoring und unternehmerische Vernetzung schaffen.

Drittens halte ich es für wichtig, die Präsenz des VBKI im Osten der Stadt weiter auszubauen. Berlin ist mehr als sein historisches Zentrum. Gerade in den östlichen Bezirken entstehen neue wirtschaftliche Dynamiken, innovative Projekte und kreative Milieus. Diese Entwicklungen sollten wir noch stärker einbinden.

Viertens, ein strukturierter, kontinuierlicher Dialog zwischen Wirtschaft und Politik. Wirtschaftliche Stärke kann nur entstehen, wenn die Rahmenbedingen stimmen – dafür setze ich mich ein.

„Das Amt des Präsidenten ist ein Ehrenamt.
Es geht nicht um eine Position, sondern um einen Beitrag.“

Ihnen eilt der Ruf eines herausragenden Netzwerkers voraus. Gibt es bislang verschlossene Türen, die Sie dem VBKI und seinen Mitgliedern gern öffnen würden?

„Verschlossene Türen“ klingt mir zu mysteriös. Ich bin von Grund auf ein neugieriger Mensch und daher spreche ich mit Experten und Executives aus unterschiedlichsten Bereichen. Dabei ergeben sich oftmals spannende Anknüpfungspunkte und Schnittmengen. Diese Potenziale versuche ich zum Leben zu erwecken – nicht mehr und nicht weniger.

Es geht also nicht darum, Türen aufzustoßen, sondern darum, Dialog zu fördern. Über viele Jahre sind in unterschiedlichen unternehmerischen und gesellschaftlichen Funktionen enge und vertrauensvolle Kontakte gewachsen – national wie international. Diese Verbindungen verstehe ich nicht als exklusiven Zugang, sondern als Verantwortung.

Haben Sie darüber hinaus bereits Vorstellungen, in welchen Bereichen Sie eigene Akzente setzen wollen?

Mir ist wichtig zu betonen, dass der VBKI bereits über ein starkes Profil und eine gewachsene Struktur verfügt – diese positive Entwicklung hat der Verein nicht zuletzt Markus Voigt zu verdanken. Eigene Akzente verstehe ich daher weniger als Bruch, sondern als Weiterentwicklung. Gemeinsam mit dem Präsidium und den Mitgliedern möchte ich die wirtschaftspolitische Positionierung des VBKI weiter schärfen, insbesondere bei Fragen der Wettbewerbsfähigkeit, der Investitionsbedingungen und der Innovationsförderung. Zudem halte ich es für wichtig, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Berlins stärker sichtbar zu machen – auch über die Stadt hinaus. Berlin wird häufig kulturell wahrgenommen, wir sollten es ebenso klar als leistungsfähige Wirtschaftsmetropole positionieren. Bei aller Initiative und Impulsen, die ich gerne einbringe, steht außer Frage, dass all das nur im „Team-Play“ gelingen kann. Ein Präsident wirkt nie allein – entscheidend ist das Präsidium als Team. Nur gemeinsam entsteht Kraft.

Zwei Netzwerker aus Leidenschaft

VBKI-Präsident Markus Voigt und Harald Christ anlässlich des Ball der Wirtschaft 2026.

Berlin befindet sich im Wahlkampfmodus. Wie nehmen Sie die Stadt wahr? Wo nutzt sie ihre Möglichkeiten, wo bleibt sie dahinter zurück?

Berlin ist voller Möglichkeiten. Die Stadt verfügt über echten Gründergeist, exzellente Forschung, internationale Strahlkraft und eine lebendige Unternehmenslandschaft. Die Dynamik und Innovationskraft sind große Stärken, die national und international wahrgenommen werden. Aber Entscheidungsprozesse dauern oft zu lange und Investitionsvorhaben sind mit erheblichem administrativem Aufwand verbunden. Viele Mitglieder des VBKI erleben diese Herausforderungen täglich. Hier bleibt Berlin hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Im Wahlkampf werden unterschiedliche Zukunftsbilder diskutiert – das ist gut und gehört zum Wesen einer Demokratie. Wenn ich es aus der Perspektive der Wirtschaft betrachte, sehe ich vor allem drei Prioritäten: eine deutliche Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren, eine klare Standortstrategie mit definierten Zukunftsclustern und eine konsequente Verwaltungsmodernisierung mit stärkerer Digitalisierung und klaren Verantwortlichkeiten. Entscheidend wird sein, dass nach der Wahl schnell Klarheit und Verlässlichkeit geschaffen wird. Nachhaltiges Wirtschaftswachstum erfordert Planungssicherheit, effiziente Strukturen und einen konstruktiven Dialog zwischen Politik und Wirtschaft.

Die deutsche Wirtschaft erlebt derzeit schwierige Zeiten. Wie deuten Sie die gegenwärtige Lage am Standort Deutschland? Wo liegen die Risiken, wo möglicherweise die Chancen?

Der Business Case Deutschlands steht vor strukturellen Herausforderungen. Einige Zahlen unterstreichen den Ernst der Lage: Die Industrieproduktion ist in den vergangenen Jahren spürbar zurückgegangen, und allein 2025 wurden über 100.000 Industriearbeitsplätze abgebaut. Gleichzeitig liegen unsere Energiekosten deutlich über denen zentraler Wettbewerber – für ein industriell geprägtes Land ist das ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. Das sind reale Belastungen. Hinzu kommen demografischer Druck, hohe Arbeitskosten und eine ausgeprägte regulatorische Komplexität.

Gleichzeitig dürfen wir die Substanz des Standorts nicht unterschätzen. Deutschland ist weiterhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, verfügt über eine außergewöhnlich starke industrielle Basis und eine exzellente Forschungslandschaft. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande mehr als doppelt so viele Patente beim Europäischen Patentamt angemeldet wie in Frankreich. Zudem haben ausländische Unternehmen zuletzt rund 96 Milliarden Euro in Deutschland investiert – ein deutliches Signal anhaltenden Vertrauens.

Wir haben weniger ein Erkenntnis- oder Kompetenzproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Das höre ich auch in vielen Gesprächen mit Ihnen. Die Lösungen sind weitgehend bekannt. Entscheidend sind jetzt Tempo, Priorisierung und die konsequente Verbesserung der Rahmenbedingungen. Die Risiken sind real – aber die Chancen sind es ebenso. Wenn es gelingt, Investitionen zu mobilisieren und Reformen pragmatisch umzusetzen, kann Deutschland seine wirtschaftliche Stärke erneut unter Beweis stellen.

Gleichzeitig verfügen wir über eine starke industrielle Basis, exzellente Forschung und hohe Innovationsfähigkeit. Das Problem liegt weniger im Erkenntnisstand als in der Umsetzung. Wenn wir Investitionen erleichtern, Bürokratie abbauen und Innovation konsequent fördern, bestehen weiterhin große Chancen.

„Nachhaltiges Wirtschaftswachstum erfordert Planungssicherheit, effiziente Strukturen und einen konstruktiven Dialog zwischen Politik und Wirtschaft.“

Dem VBKI stehen nicht nur personelle Veränderungen bevor, sondern auch ein Ortswechsel: Anfang 2027 wird das neue VBKI-Haus in der Bleibtreustraße bezogen. Worauf freuen Sie sich in diesem Zusammenhang besonders?

Der Ortswechsel ist mehr als eine neue Adresse. Er bietet die Chance, einen sichtbaren Treffpunkt für die Berliner Wirtschaft zu schaffen. Ich freue mich darauf, dass das neue Haus ein lebendiger Ort für Begegnung, Debatte und strategischen Austausch wird. Gerade in einer zunehmend digitalen Welt gewinnt der persönliche Dialog an Bedeutung.

2029 – also am Ende Ihrer satzungsgemäß dreijährigen Amtszeit – feiert der VBKI seinen 150. Geburtstag. Wenn man dann über den VBKI spricht: Welches Bild sollte in den Köpfen der Menschen entstehen? Welche drei Eigenschaften sollten den Verein kennzeichnen?

Unser VBKI sollte als moderne, unabhängige und zukunftsorientierte Stimme der Berliner Wirtschaft wahrgenommen werden. Als Plattform, die Tradition respektiert und zugleich Zukunft gestaltet.

Unabhängigkeit, Gestaltungswille und Gemeinschaft sind für mich die Eigenschaften, die den Verband dann prägen sollten. Unabhängigkeit in der Positionierung, Zukunftskraft in den Themen – und Gemeinschaft im Miteinander seiner Mitglieder. Wenn dieses Bild entsteht, dann wäre der VBKI nicht nur 150 Jahre alt, sondern auch 150 Jahre jung.

Und was würden Sie sich wünschen, dass die VBKI-Mitglieder über Ihre erste Amtszeit sagen?

Zunächst einmal stehe ich im Juni zur Wahl. Dann entscheiden die Mitglieder. Dieses Votum ist Grundlage und Auftrag zugleich. Ich würde mir wünschen, dass Sie dann sagen: Der VBKI war stets sichtbar, relevant und klar positioniert. Er hat Impulse gesetzt, Haltung bewiesen, den Dialog gestärkt und dazu beigetragen, dass Berlin wirtschaftlich stärker geworden ist. Und vielleicht auch: Die Zusammenarbeit im Präsidium, mit der Geschäftsstelle und mit den Mitgliedern war von Teamgeist und gemeinsamer Verantwortung geprägt.

Vielen Dank!

Harald Christ ist Unternehmer, Investor, Aufsichtsrat und Gründer der Christ Capital. Zuvor führte ihn seine Karriere als Manager und Vorstandsvorsitzender durch zahlreiche Konzerne und Branchen. Als Stifter engagiert er sich zudem gesellschaftlich und bringt seine wirtschaftspolitische Expertise als Autor und Speaker ein.

Lesen Sie auch das Tagesspiegel-Porträt | zum Artikel  

Porträt aus der Berliner Morgenpost | zum Artikel

p

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

]]>
CEOs for Berlin diskutieren mit Prof. Dr. Michael Hüther https://vbki.de/2026/02/12/ceos-for-berlin-diskutieren-mit-prof-dr-michael-huether/ Thu, 12 Feb 2026 16:44:38 +0000 https://vbki.de/?p=987527136

CEOs for Berlin diskutieren mit
Prof. Dr. Michael Hüther

Text Jörg K. Ritter I Koordinator CEOs for Berlin

Trotz eisglatter Straßen haben sich 30 CEOs am Abend des 5. Februar im Restaurant der ESMT Berlin getroffen, um mit Prof. Dr. Michael Hüther, dem Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) über die gegenwärtige Lage der deutschen und der Berliner Wirtschaft zu diskutieren.

Überraschend für viele war gleich zu Beginn der Ausführungen von Michael Hüther, dass die Bundesregierung offensichtlich die erforderlichen Weichenstellungen für ein notwendiges Wachstum richtig entschieden und vorgenommen hat, allerdings vor allem kommunikative Fehler dazu führen, dass bei den Unternehmen und Bürger:innen bislang eine andere Wahrnehmung entstanden ist.

Hüther hat sich in seiner Keynote insbesondere mit den Erfordernissen im Bereich der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Rentenpolitik sowie mit der Notwendigkeit der Steigerung der Investitions- und Innovationskraft der deutschen und europäischen Unternehmen beschäftigt. Die dafür notwendigen Voraussetzungen seien zwar von der Politik in Berlin und Brüssel richtig erkannt, aber die Umsetzung wie die dringend notwendige Senkung von Energie- und Arbeitskosten für deutsche Unternehmen, die schnellere Aktivierung der Investitionen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur u.a. führen noch nicht dazu, dass die deutsche Wirtschaft nachhaltig wächst und der Mittelstand, die fast 2.000 Hidden und Global Champions, sich auf diesem Kurs mitgenommen fühlt.

In diesem Zusammenhang widersprach der IW-Direktor der gegenwärtigen Debatte über ‚Faulheit‘ und ‚Lifestyle‘. Stattdessen benannte er den demografischen Wandel als das größte Problem und wirtschaftliche Herausforderung. Nur wenigen sei klar, dass in der Zeit von 2025 bis 2029 rund 5,1 Millionen Menschen in Deutschland in Rente gehen, aber nur 2 Millionen junge Arbeitskräfte nachkommen. So entsteht eine Lücke von 3,1 Millionen Menschen. Diese vor allem strukturelle Lücke wird man nicht allein durch den Einsatz von KI lösen können.

Er betonte daher nachdrücklich, dass es eine gesellschaftliche Diskussion darüber geben müsse, wie wir mit dieser Verknappung umgehen, wenn wir auch zukünftig eine starke Industrie als die Basis für unseren Wohlstand definieren wollen. Deshalb sei es nicht hilfreich, ständig Negativgeschichten zu erzählen. Aber genauso verkehrt sei es, von den Gewerkschaften teilweise völlig überzogene Lohnforderungen und Arbeitszeitregelungen zu verlangen, die die Unternehmen in Deutschland in eine Lage bringen, notwendige Zukunftsinvestitionen und damit Arbeitsplätze in Frage zu stellen. Vielmehr müssten Lösungsansätze diskutiert werden, etwa wie sich das Arbeitszeitvolumen erhöhen lässt, zum Beispiel wie aus Teilzeit mehr Vollzeit und ein höheres Renteneintrittsalter – gekoppelt an die Lebenserwartung – erreicht werden kann.

In der Diskussion ging es auch um die gesellschaftlichen Herausforderungen, die durch fünf Landtagswahlen in diesem Jahr entstehen können. Dabei wies Hüther auf eine aktuelle Studie seines Instituts hin, in der sehr detailliert die Wahlprogramme und Ziele der AfD analysiert worden sind, die einerseits von völlig unrealistischen ökonomischen Annahmen ausgehen und andererseits zu einer weiteren dramatischen Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen führen würden!

Dr. Brigitte Lammers, Senior Advisor Egon Zehnder, ging in ihrem Beitrag auf die veränderten Anforderungen und Kompetenzen ein, die für eine erfolgreiche Tätigkeit eines CEOs notwendig geworden sind. Die Teilnehmer:innen erhielten Einblick in eine aktuelle Egon Zehnder Studie „The CEO Response – Accepting Uncertainty, CEOs Bet on New Levels of Adaptability“, in der die Antworten von 1235 global CEOs analysiert worden sind.

In diesem Zusammenhang wurde Egon Zehnder, Strategischer Partner des VBKI Forum CEOs for Berlin, dafür gedankt, dass sie auch durch ein Sponsoring ein solches jährliches Dinner ermöglichen.

Der Dank ging ebenfalls auch an Dr. Matthias Koch, der als neuer COO & CFO der ESMT Berlin und Host dieses Abends einen Einblick in die beeindruckenden Ergebnisse der führenden Business School Deutschlands gegeben hat. Im Anschluss an das Dinner nahm Matthias Koch die Gäste mit auf eine Führung durch das Gebäude und gewährte dabei exklusive Einblicke in dessen bewegte Vergangenheit 

Die European School of Management and Technology Berlin (ESMT) hat ihren Sitz im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR in Berlin-Mitte. Dort befand sich zu DDR-Zeiten der Staatsrat der DDR. In die Fassade ist zudem das Portal IV des früheren Berliner Schlosses integriert – von dessen Balkon Karl Liebknecht 1918 die „Freie Sozialistische Republik“ ausrief.  

Impressionen

Zur Bildergalerie: Bitte  hier klicken>

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

]]>
Reformdruck: Wie kommt der Standort Deutschland wieder in Schwung?  https://vbki.de/2026/01/29/wirtschaftspolitischer-dialog-2026/ Thu, 29 Jan 2026 20:22:58 +0000 https://vbki.de/?p=987526936

Reformdruck: Wie kommt der Standort Deutschland wieder in Schwung? 

Diskussion mit den wirtschaftspolitischen Sprechern der Regierungsfraktionen

Text: Annette Kusche | Referentin für Politische Grundsatzfragen

Bei Regierungsübernahme hatte Bundeskanzler Friedrich Merz „Rambozambo“ angekündigt. Doch bislang fehlt eine durchschlagende Strategie, um die deutsche Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Wird das gerade angebrochene Jahr 2026 endlich die ersehnten Reformen bringen? Im VBKI erläuterten die wirtschaftspolitischen Sprecher der Regierungsfraktionen, namentlich Andreas Lenz (CDU/CSU-Fraktion) und Sebastian Roloff (SPD-Fraktion), die wirtschaftspolitische Agenda der Bundesregierung – und stellten sich im Anschluss den Fragen der VBKI-Mitglieder. Der bewusst klein gehaltene Rahmen ermöglichte einen offenen, intensiven Austausch.

In seiner Einführung skizzierte Michael Müller, Co-Vorsitzender des Ausschusses Wirtschaftspolitik und Organisator bzw. Moderator des Abends, die angespannte Lage: Die wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen seien größer denn je, während dringend notwendige Reformen bislang ausgeblieben seien. Nach dem Ende der Ampel-Regierung habe zwar Einigkeit über den Reformbedarf bestanden, konkrete Umsetzungen ließen jedoch weiterhin auf sich warten. Gleichzeitig wachse der Druck, Ergebnisse vorzulegen – schließlich sei 2026 ein bedeutendes Wahljahr.

Andreas Lenz eröffnete die Diskussion mit einem Blick auf die Vielzahl globaler Krisen – von geopolitischen Konflikten bis hin zu zunehmende Handelshemmnisse. Ziel der CDU/CSU sei es, die internationale Lage verständlich einzuordnen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu stärken. Zentrale Themen seien eine sichere Energieversorgung, die Stärkung der Exportwirtschaft sowie Reformen am Arbeitsmarkt und in den sozialen Sicherungssystemen. Wettbewerbsfähigkeit sei dabei das übergeordnete Leitmotiv, aus dem sich alle weiteren politischen Handlungsfelder ableiteten.

Sebastian Roloff stimmte den Grundlinien zu und ergänzte aus Sicht der SPD. Er verwies auf steigende private Investitionen, eine Rekordzahl an Startup-Gründungen im Jahr 2025 sowie auf erhebliche Investitionen in Digitalisierung. Die Förderung von Innovationen und „Bodenwachstum“ habe insbesondere die Ampel-Regierung vorangetrieben. Gleichwohl räumte er ein, dass Entscheidungen schneller getroffen werden müssten, um Vertrauen zurückzugewinnen.

In der anschließenden Diskussion stellte Michael Müller die zentrale Frage nach der anhaltenden Unsicherheit und Unzufriedenheit vieler Unternehmerinnen und Unternehmer – trotz umfangreicher Investitionspakete. Auch der Reformbedarf im Gesundheitssystem sowie die wachsende Skepsis gegenüber den Parteien der politischen Mitte wurden kritisch angesprochen.

Beide Referenten machten deutlich, dass 2026 ein entscheidendes Jahr sein müsse. Ohne sichtbare Reformen und spürbare Verbesserungen werde sich die Stimmung nicht drehen.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

]]>
Drohnen – gekommen, um zu bleiben https://vbki.de/2026/01/27/drohnen-gekommen-um-zu-bleiben/ Tue, 27 Jan 2026 13:33:50 +0000 https://vbki.de/?p=987526910

Drohnen – gekommen, um zu bleiben

Digital-Webinar: Luftraum als neue sicherheitsrelevante Dimension für Unternehmen

Drohnen sind längst mehr als ein technisches Zukunftsthema – sie sind Realität. Mit dieser klaren Erkenntnis eröffnete VBKI DIGITAL gemeinsam mit der Digitalagentur Berlin (DAB) am 21. Januar 2026 ein Digital-Webinar, das sich den sicherheitsrelevanten Herausforderungen durch Drohnentechnologie widmete.

Im Mittelpunkt stand die Einordnung von Drohnen als potenzielles Sicherheitsrisiko für Unternehmen. Frank Wernecke, CEO von DroneMasters, machte deutlich: Auch wenn Drohnen derzeit weniger mediale Aufmerksamkeit erfahren, stellen sie weiterhin eine ernstzunehmende Bedrohung dar – gerade, weil sie technisch schwer zu erkennen und vergleichsweise einfach einzusetzen sind.

Ein zentrales Learning des Webinars lautete: Wenn keine Drohne sichtbar ist, heißt das nicht, dass keine Drohne vorhanden ist. Unterschiedliche Bauarten, Einsatzmöglichkeiten und Wirkungsgrade erschweren eine verlässliche Detektion erheblich. Selbst militärische Akteure verfügen bislang über keine flächendeckend zuverlässigen Abwehrmechanismen.

Besonders eindrücklich war der Hinweis darauf, dass Drohnen als Tatwerkzeug kostengünstig, leicht zu beschaffen und gleichzeitig hochwirksam sind. Während Unternehmen Sicherheitskonzepte häufig zweidimensional – am Boden – denken, eröffnet der Luftraum eine dritte, bislang oft vernachlässigte Dimension.

Im weiteren Verlauf beleuchtete Frank Wernecke unter anderem verschiedene Bedrohungsszenarien und Tätertypen, gab Hinweise zum richtigen Verhalten bei einer Drohnensichtung und zeigte auf, wie Unternehmen schrittweise ein tragfähiges Sicherheitskonzept im Umgang mit Drohnen entwickeln können. Dabei wurde deutlich: Eine ganzheitliche Sicherheitsstrategie muss den Luftraum konsequent mitdenken.

Den Abschluss bildete eine offene Fragerunde, moderiert von Steven Lewandowski, Mitglied des Ausschusses VBKI DIGITAL. Der lebhafte Austausch zeigte das große Interesse der Teilnehmenden und den hohen Praxisbezug des Themas.

Wir danken Frank Wernecke für die fundierte und praxisnahe Einordnung, Steven Lewandowski für die souveräne Moderation sowie der Digitalagentur Berlin (DAB) für die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

]]>
Großer Bahnhof für Berlins Olympiastars https://vbki.de/2026/01/26/grosser-bahnhof-fuer-berlins-olympiastars/ Mon, 26 Jan 2026 11:01:38 +0000 https://vbki.de/?p=987526879

Großer Bahnhof für Berlins Olympiastars

In wenigen Tagen starten die Winterspiele in Italien – das VBKI-Team Milano Cortina ist bereit! 

Die Vorfreude steigt: In wenigen Tagen beginnen die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo (14. bis 19. Februar 2026) – und Berlin ist so stark vertreten wie seit 20 Jahren nicht mehr!

Vergangene Woche wurde das TEAM BERLIN im Max-Liebermann-Haus der Stiftung Berliner Sparkasse am Brandenburger Tor feierlich verabschiedet. Mit dabei: 19 Berliner Athletinnen und Athleten, darunter erstmals auch ein paralympischer Wintersportler!

Für uns im VBKI ein besonderer Fokus auf dem VBKI-Team Milano Cortina 2026. Seit Jahren gehört die Förderung des Berliner Spitzensports zur DNA des VBKI. Mit dem Programm „VBKI-Team Milano Cortina 2026“ unterstützten wir Berliner Leistungssportlerinnen und -sportler gezielt auf ihrem Weg zu den Olympischen Winterspielen.

Gemeinsam mit Partnern des Sports wurden 9 Berliner Spitzensportlerinnen und Spitzensportler aus den Disziplinen Eiskunstlauf, Eisschnelllauf und Eishockey für das VBKI-Team nominiert – darunter: 

In der Disziplin Eiskunstlauf:

  • Minerva Hase / Nikita Volodin
  • Annika Hocke / Robert Kunkel

 

Im Eisschnelllauf:

  • Josie Hofmann
  • Josephine Schlörb
  • Lea Sophie Scholz

 

Im Eishockey Damen:

  • Franziska Feldmeier
  • Laura Kluge

 

Die Auswahl für das VBKI-Team erfolgt nach klar definierten Kriterien: Voraussetzung sind neben einer grundsätzlichen Bedürftigkeit insbesondere die begründete Aussicht auf eine Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2026 sowie der Lebens- und Trainingsmittelpunkt in der Hauptstadtregion. Die Zusammenstellung des Teams erfolgt durch den federführenden VBKI-Sportausschuss, unterstützt von Partnern wie dem Olympiastützpunkt Berlin und dem Landessportbund Berlin.

Gefördert werden die Teammitglieder mit Finanzhilfen und Sachleistungen im Gesamtwert von 15.000 Euro. Jedes Teammitglied erhält dabei einen finanziellen Beitrag von 750 Euro sowie ergänzende Sachleistungen – ein wichtiges Signal der Anerkennung und Unterstützung auf dem anspruchsvollen Weg zu Olympia.

Gemeinsam drücken wir die Daumen für Berlin – andiamo a Milano!

 Weitere Informationen zum VBKI-Team Milano Cortina 2026 finden Sie hier.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

]]>
 „Trio mit Tiger“ https://vbki.de/2026/01/16/trio-mit-tiger/ Fri, 16 Jan 2026 11:11:14 +0000 https://vbki.de/?p=987526781

„Trio mit Tiger“

VBKI-Präsidiumsmitglied Marianne Ludes las aus ihrem neuen Roman

Text: Undine Kugler | Referentin Veranstaltungswesen VBKI

Mit ihrem neuen Roman „Trio mit Tiger“ widmet sich Marianne Ludes dem Leben von Max und Mathilde „Quappi“ Beckmann im Amsterdamer Exil. Grundlage des Buches sind intensive Recherchen und der Zugang zu bislang unveröffentlichten Tagebüchern Quappis, die einen besonders dichten Blick auf das gemeinsame Leben des Künstlerpaars in den Jahren der Verfolgung ermöglichen. Der Literaturkritiker Denis Scheck bezeichnete den Roman als „eine der wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres“.

Im Gespräch mit Jörg Thadeusz erzählte Ludes über ihren Weg zur Autorin und über die Entstehung des Romans. In „Trio mit Tiger“ verknüpft Ludes mehrere Erzählebenen: den Alltag der Beckmanns unter den Bedingungen von Krieg und Exil, die politische Enge, unter der Max Beckmann leidet, und die Rolle Quappis, die das gemeinsame Leben und seine künstlerische Arbeit zusammenhält. Eine besondere Spannung entsteht durch die Figur des Kunsthistorikers Erhard Göpel, der im Auftrag des NS-Regimes Kunst für das geplante „Führermuseum“ erwirbt und die moralischen Ambivalenzen dieser Zeit verkörpert.

Im Mittelpunkt steht jedoch weniger der berühmte Künstler als Quappi Beckmann selbst. Die Erzählung aus der Ich-Perspektive Quappis, schafft eine besondere Nähe und Authentizität. Ludes beschrieb Quappis Leben als eine Form der Hingabe und Selbstaufgabe für die unverbrüchliche Liebe – eine Haltung, die heute fremd wirkt, aus ihrer Sicht jedoch als Ausdruck von Erfüllung verstanden werden sollte.

Eine Publikumsfrage, griff dieses Thema zentral auf: „Liebte Max Beckmann seine Frau ebenso?“ Ludes räumte offen ein, dass sie dies nicht sicher sagen könne – und dass sie es im Roman bewusst nicht festlegt. Sie glaube allerdings, dass er Quappi „auf seine Weise sehr liebte und glücklich machte“.

Der Abend im VBKI verdeutlichte: „Trio mit Tiger“ ist weit mehr als ein historischer Roman. Er behandelt Fragen über Freiheit, Loyalität und künstlerische Integrität unter politischem Druck – Themen, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

 

Impressionen

Zur Bildergalerie: Bitte  hier klicken>

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

]]>
Die BERLINER LESEPATEN erneut zu Gast bei Dussmann das Kulturkaufhaus https://vbki.de/2026/01/15/die-berliner-lesepaten-erneut-zu-gast-bei-dussmann-das-kulturkaufhaus/ Thu, 15 Jan 2026 18:26:00 +0000 https://vbki.de/?p=987526897

Die BERLINER LESEPATEN erneut zu Gast bei Dussmann das Kulturkaufhaus

Am 15.01.2026 durften wir im Rahmen unseres hausinternen Fortbildungsprogramms, der Lesepaten Akademie, zum zweiten Mal bei Dussmann das KulturKaufhaus zu Gast sein. 35 unserer engagierten Lesepat:innen erhielten die Möglichkeit, einen inspirierenden Fortbildungstag zu erleben. Im Mittelpunkt stand dieses Mal das Thema „Leseförderung mit Comics“.

Mit viel Fachwissen, Praxisnähe und Begeisterung zeigten unsere beiden Dozentinnen Nina Severin und Dr. Brigitte Schulte vom Zentrum für Sprachförderung in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf, welches große Potenzial Comics für die Lesemotivation und Sprachentwicklung von Kindern bieten. Die Fortbildung eröffnete neue Perspektiven darauf, wie Lesen niedrigschwellig, kreativ und unter Berücksichtigung der Interessen der Kinder mit Freude erlernt werden kann.

Ein weiteres Highlight bildete der Abschluss mit einer exklusiven Führung durch die Comicbuchabteilung bei Dussmann. Zwischen Graphic Novels, Klassikern und Neuerscheinungen entstanden viele neue Ideen, Inspirationen und Lust darauf, Comics noch stärker in die Lesepatenschaft einzubinden.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei unseren Dozentinnen für ihre wertvolle Expertise sowie bei Dussmann, ganz besonders bei unserer Ansprechpartnerin vor Ort, Melanie Slawik (Geschäftsführerin B2B Dussmann) für die offene Zusammenarbeit, die Gastfreundschaft und die Unterstützung dieser besonderen Lernräume.

Wenn Sie selbst einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit in Berlin leisten möchten, dann ist ein Engagement als Lesepatin oder Lesepate bei uns genau das Richtige! Für mehr Infos zum Einstieg schreiben Sie uns gern eine E-Mail an [email protected] oder Sie informieren sich über unsere Webseite: lesepaten.berlin

Foto links:
v.l.n.r.
: Dr. Brigitte Schulte,
Nina Severin und
Melanie Slawik

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

]]>