
Captain Alosa hat nur ein Ziel vor Augen: Im Auftrag des Piratenkönigs Kalligan soll sie das Fragment einer Schatzkarte beschaffen. Ein Kinderspiel für sie, da kein Freibeuter es mit ihr aufnehmen kann. Das brutale Training ihres Vaters Kalligan hat sie zu seiner Geheimwaffe gemacht, denn sie setzt ihren Gegnern nicht nur ihre Kampfkraft, sondern auch die Sirenenmagie ihrer Mutter entgegen.
Siegesgewiss beginnt Alosa ihre Mission auf einem Schiff mit verfeindeten Piraten, doch hat sie dabei nicht mit dem unverschämt attraktiven Ersten Maat Riden gerechnet, der gegen all ihre Kräfte immun zu sein scheint …
Tricia Levenseller stammt aus Oregon und lebt heute in Utah. Ihre Romane richten sich vor allem an junge Erwachsene, die Abenteuer, Romantik und ein gewisses Maß an Drama lieben. Mit Daughter of the Pirate King hat sie den ersten Band einer dreibändigen Piraten-Fantasy vorgelegt, die seit Erscheinen ihre Leser polarisiert.
Protagonistin der Geschichte ist Alosa, die Tochter des Piratenkönigs Kalligan. Ihr Vater gibt ihr den Auftrag, sich von einem verfeindeten Piratenkönig gefangen nehmen zu lassen, damit sie auf dessen Schiff einen Teil einer Schatzkarte stiehlt. Was ihre Gegner nicht ahnen: Die siebzehnjährige Alosa ist eine ausgebildete Kämpferin und ausgesprochen clever. Doch gleichzeitig verkörpert sie das Erbe ihrer Mutter, der Sirenenkönigin. Diese Sirenenmagie verleiht ihr besondere Stärke, die Fähigkeit, Männer u. a. durch ihren Gesang zu manipulieren, sowie eine gewisse Unberechenbarkeit.
Auf dem gegnerischen Schiff begegnet sie Riden, dem Ersten Maat und jüngeren Bruder von Piratenkönig Draxen. Riden tritt von Beginn an als moralisches und charakterliches Gegenstück zu ihr auf. Natürlich kommt es dadurch auch sofort zu Spannungen zwischen den beiden. Dass die Autorin uns hier eine Slow-Burn- bzw. Enemies-to-Lovers-Geschichte präsentiert, ist selbst dem unaufmerksamsten Leser von Anfang an klar. Der Slow Burn und das Enemies-to-Lovers? Eher Enemies-to-Langweile: kein Funke, nicht einmal eine kleine Rauchwolke – nur tote Seiten aus Holz von Bäumen, die umsonst gestorben sind.
„Man bekommt nun mal nicht jeden Tag das Fleisch und Blut des Piratenkönigs zu sehen.“
„Und, bin ich so, wie ihr erwartet habt?“
„Es heißt, der Piratenkönig sei groß wie ein Wal und böse wie ein Hai. Wir hatten nicht mit einem so winzig kleinen Ding gerechnet.“
„Dann komm ich wohl nach meiner Mutter“, sage ich.
Und genau hier zeigt sich eine der Schwächen des Romans, die dazu geführt haben, dass ich den Roman eher mittelmäßig fand:
Piraten, Sirenen, Schatzkarten – was kann da schon schiefgehen? Daughter of the Pirate King zeigt: eine ganze Menge. Das Buch bietet zwar eine actionreiche Piratenkulisse, die nicht nur Pirates of the Carribean-Fans schätzen werden, aber es gibt kaum echtes Worldbuilding. Die Welt des Romans bleibt skizzenhaft, die Regeln, nach denen sie funktioniert, bleiben blass. Aber das ist nicht alles. Levenseller lässt Alosa über viele Seiten und Kapitel darüber nachdenken, wie mächtig sie ist, wie gefährlich ihre Kräfte sind und wie wichtig es ist, diese geheimzuhalten – nur um einige davon so offensichtlich einzusetzen, dass ihre Gegner praktisch blind sein müssten, um nichts zu merken. Auch ihre „Mordquote“ ist dabei erstaunlich niedrig für eine Figur, die angeblich unkontrollierbare sirenische Macht in sich trägt. Es wird viel behauptet, nur leider vergisst die Autorin oft, das auch glaubwürdig in Action zu zeigen.
Die Figurenzeichnung ist ebenfalls durchwachsen. Abgesehen von der Tatsache, dass Alosas Schiff komplett und das von Draxon größtenteils von jungen Menschen bemannt (oder „befraut“) werden, die maximal Mitte zwanzig sind – echt jetzt?! –, bleiben auch die Figuren blass: Alosa ist stark, selbstbewusst und oft unterhaltsam, aber sie blieb für mich gleichzeitig schwer greifbar. Ihre innere Entwicklung wirkt eher mechanisch als organisch. Es ist mir bis zum Ende nicht gelungen, irgendwelche Sympathien für sie zu entwickeln und mich als Leserin mit ihr zu identifizieren. Und für Riden gilt das noch viel mehr! Riden tritt von Beginn an als Love Interest auf, aber zwischen den beiden gibt es beim besten Willen keine echte Chemie. Ja, die beiden sind von der ersten Seite an ganz offensichtlich Endgame, doch der Funke sprang bei mir nicht über. Ihre Interaktion prickelt einfach nicht. Und das nahm wiederum dieser zentralen Beziehung den emotionalen Kern, der für dieses Genre so entscheidend ist. Auch die Nebenfiguren tragen wenig zur Tiefe der Geschichte bei; sie erfüllen Rollen, ohne lebendig zu wirken.
Sprachlich setzt Levenseller auf Tempo, klare Szenenwechsel und pointierte Dialoge. Das sorgt für Drive und auch dafür, dass man den Roman gut „weghören“ oder „weglesen“ kann. Gleichzeitig fehlt hier wie gesagt die Atmosphäre: Piratenwelt, politische/gesellschaftliche Strukturen, selbst die Beschreibungen der Orte – alles wird nur angedeutet. Das ist schade, weil der Stoff eigentlich nach etwas Größerem schreit.
Über das Hörbuch
Die deutsche Hörbuchausgabe wird von Madiha Kelling Bergner gelesen. Sie ist ausgebildete Sprecherin und Schauspielerin und hat Psychologie in Potsdam studiert. Ihre Stimme ist kräftig, flexibel und grundsätzlich gut geeignet für eine Figur wie Alosa.
Sie trifft den jugendlichen Ton der Protagonistin gut, aber das verhinderte bei mir gleichzeitig die Identifikation mit einer siebzehnjährigen (!) Figur. In männliche Figuren – allen voran Riden – schlüpft sie nur begrenzt glaubwürdig hinein. Oft fiel es mir in Dialogen schwer, Riden von Alosa zu unterscheiden. Und wo das Buch, wie oben beschrieben, wenig Tiefe und Facettenreichtum bietet, gelingt es der Sprecherin natürlich auch nicht, das auszugleichen.
Mein Fazit
„Daughter of the Pirate King – Fürchte mein Schwert“ hat eine geniale Grundidee, viel Tempo und eine Heldin, die auf dem Papier beeindruckend wirkt. In der Umsetzung bleiben jedoch zentrale Elemente auf der Strecke: Die Welt, in der unsere Figuren agieren, ist kaum greifbar, und die potenzielle Liebesgeschichte bleibt ohne echtes Prickeln. Wer ein unterhaltsames Piratenabenteuer sucht, könnte hier auf seine Kosten kommen. Wer Tiefgang, ein stimmiges Worldbuilding oder prickelnde Romantik erwartet, dürfte enttäuscht werden.
Autorin: Tricia Levenseller
Buchtitel: Daughter of the Pirate King – Fürchte mein Schwert (ungekürzte Fassung)
Serie: Pirate-Queen-Saga, Band 1
Sprecherin: Madiha Kelling Bergner
Verlag: Random House Audio
ISBN: 9783837168280
Dauer: 9 h
Erscheinungsdatum: 27. Juli 2024
Genre: Young Adult, Fantasy









